Kastrieren ja oder nein?

Diese Frage stellt sich wohl jeder Hundebesitzer, denn selbstverständlich wollen wir alle für unsere Tiere das Beste! Mit einem Blick auf das Gesetz beantwortet sich diese Frage von selbst! Kastration ist nicht erlaubt! Das Tierschutzgesetz verbietet das vollständige oder teilweise Entnehmen und Zerstören von Organen bei Wirbeltieren, wie auch das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen ohne medizinische Indikation. Kastration gehört dazu!

Der 1.August 2002 war somit ein Tag, den sich die Tiere im Kalender rot anstreichen würden, wenn sie es könnten, denn der Gesetzgeber hat den Tierschutz in das Grundgesetz aufgenommen. Diese Verfassungsänderung hat zur Folge, das das Tierschutzgesetz stark aufgewertet wird und nach § 1 TierSchG trägt der Mensch die Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf und hat dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen:

Niemand darf eine Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“

Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften können als Ordnungswidrigkeiten oder Straftatbestände geahndet werden.

Auslegungssache?

In der gängigen Praxis wird dieses Gesetz leider lasch gehandhabt. Da werden Hunde kastriert, weil die Hundehalter denken, sie könnten sich die Erziehung erleichtern oder sie müssten dann nicht mehr aufpassen, dass ihre Hündin trächtig wird. Das sind aber keine Indikationen! Erlaubt sind medizinische Eingriffe in den Körper eines Tieres, wie eine Kastration nur im Einzelfall oder wenn die unkontrollierte Fortpflanzung verhindert werden muss, etwa bei Straßenhunden oder freilebenden Katzen.

Strittig ist auch die generelle Kastration von Tierheimhunden um eine gemischte Gruppe im Heim zu etablieren und eine unkontrollierte Fortpflanzung zu verhindern. Auch hier gäbe es die Möglichkeit der chemischen Kastration, denn es muss in jedem Fall die, für das Tier schonendste Maßnahme ergriffen werden.

Medizinische Indikation?

Medizinisch indiziert heißt, das es unerlässlich erscheint diesen Eingriff im Rahmen einer Heilbehandlung vorzunehmen, nicht jedoch präventiv, um einer möglichen künftigen Erkrankung vorzubeugen.

Die Kastration um eine unkontrollierte Fortpflanzung zu verhindern ist zwar grundsätzlich erlaubt, entbindet den Tierarzt aber nicht von der Notwendigkeit einer Einzelfallprüfung. Sollte die unerwünschte Fortpflanzung durch die Kontrolle des Halters über seinen Hund verhindert werden können, was in der Regel der Fall ist, z. B. durch Leinenhaltung während der Läufigkeit der Hündin, so ist diese Ausnahme nicht gegeben.

Nicht die Bequemlichkeit des Hundehalters ist hier maßgebend sondern das Wohl des Tieres!

 

 

Frühkastration und ein ewig kindlicher Hund?

Eine Frühkastration von Hunden vor der Geschlechtsreife, mittlerweile auch gängige Praxis, ist aus Sicht des Tierschutzes grundsätzlich und strickt abzulehnen.

Zu Beginn der Pubertät werden Sexual- und Wachstumshormone aktiviert und es treten Veränderungen ein. Das Tier wird erwachsen, das Wachstum der Knochen wird beendet, die Wachstumsfugen geschlossen, die Sehnen und Bänder werden verstärkt und die Muskeln aufgebaut. Wird dieser Prozess mit Gewalt durch eine Kastration unterbrochen sind unter anderem Gelenkerkrankungen oder ein instabiles Gangwerk vorprogrammiert.

So zeigt eine Studie der University of Columbia von 2013 an 759 Golden Retrievern, dass die Frühkastraten zu 50% häufiger an Hüftdisplasie erkrankt waren.

Aber nicht nur das spricht gegen eine Kastration vor der Pubertät, auch die Tatsache, das der Hund nie eine Reife erlangen wird. Er wird nie ein souveräner, erwachsener Hund werden sondern wird immer ein alberner, infantiler Hund bleiben, der womöglich Verhaltensauffälligkeiten zeigt, wie große Unsicherheit und Angst vor Gewitter.

Dick und inkontinent?

Die im höheren Alter kastrierten Hunde sind aber auch nicht viel besser dran. Fettleibigkeit ist fast obligatorisch, schlechte Fellstruktur häufig und zu 30% tröpfelt der Hund vor sich hin....... und erinnert seinen Hundehalter immer daran, dass eine Kastration kein einfacher Eingriff ist, denn ein drittel der Hunde werden inkontinent.

Also liebe Hundehalter, die Entscheidung für oder gegen eine Kastration hat der Gesetzgeber uns abgenommen und das ist gut so. Es gibt sicherlich wirklich gute Gründe für eine Kastration, diese Einzelfälle sollten unter Berücksichtigung aller Umstände und Gefahren und mit einem intensiven Blick auf das Wohl des Tieres mit einem kompetenten Tierarzt entschieden werden.